5. Mai 2017
Christa Hofmann, Swico

Gastkommentar zur Umsetzung der MEI:

Erhöhte Arbeitsmarktregulierung schwächt Innovation in der ICT-Branche
Seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) fokussieren Bundesrat und Parlament zur Ausschöpfung des inländischen Arbeitsmarktpotenzials auf verstärkte regulatorische Massnahmen. Damit wird implizit vorausgesetzt, dass ein entsprechendes Potenzial verfügbar ist. In der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT)- Branche besteht allerdings ein markanter Mangel an inländischen Fachkräften, so dass Schutzmassnahmen zugunsten inländischer Arbeitskräfte weitestgehend wirkungslos zu verpuffen drohen.
Innovative Unternehmen der ICT-Branche sind dank der weit fortgeschrittenen Digitalisierung ihrer Arbeitsprozesse nicht in gleichem Masse abhängig von Landesgrenzen wie andere Industrien. Die ICT-Branche benötigt aufgrund des raschen technologischen Fortschritts ständig neue, teilweise hochspezifische Qualifikationen, die aufgrund der grossen Mobilität der Fachspezialisten nicht in einem einzigen nationalen Arbeitsmarkt identifiziert und rekrutiert werden können.
Die Branche ist sich ihrer Eigenverantwortung bewusst. Sie unternimmt deshalb grosse Anstrengungen hinsichtlich der Weiterbildung der heute vorhandenen und der Ausbildung der künftig benötigten Fachkräfte. Aufgrund der langen Bildungszyklen und des ständig steigenden Bedarfs ist auf absehbare Zeit hinaus nicht mit einem Arbeitsmarktgleichgewicht zu rechnen. Deshalb erachtet die ICT-Branche eine unbürokratische Zulassung und genügend dotierte Kontingente für Spezialisten aus dem Ausland für die Zukunft der Branche in der Schweiz als erfolgskritisch. Im Raum steht das Risiko des Wegzugs wertschöpfender Aktivitäten ins Ausland.
Im aktuellen Diskurs über den Gesetzesentwurf zur Umsetzung der MEI verschiebt sich der Themenschwerpunkt hin zu verstärkter Arbeitsmarktregulierung (Stellenmeldepflicht, Inländervorrang). Für die ICT-Branche bedeutet diese Meldepflicht ein erhöhter Aufwand mit sehr geringen Erfolgsaussichten. Dabei werden insbesondere kleinere Wachstumsunternehmen und Start-ups in der Innovationskraft geschwächt, weil sie nicht in gleichem Mass wie Grossunternehmen über ausgebaute HR-Abteilungen verfügen. Dem Fachkräftemangel in der Schweizer ICT-Branche kann nicht durch überzogene Bürokratie, sondern nur durch gezielte Bildung und flexible Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte entgegengewirkt werden.